Winterschnittkurs 26.01.2019
Bei gefrorenem Boden und nasskalten 5 Grad sind 28 Personen der Einladung des OGV Affalterbach zum diesjährigen Winterschnittkurs gefolgt. Auf einer Streuobstwiese am Ortsrand von Affalterbach begrüßte der 1. Vorsitzende Jürgen Rößle die Teilnehmer. Unter der fachkundigen Leitung von Referent Stephan Seidl startete der rund 4-stündige Kurs.
Bevor der praktische Teil begann, erläuterte der Referent die Notwendigkeit des Ökosystems Streuobstwiese. Hier leben um ein vielfaches mehr Vögel, Insekten und andere Tiere als auf einer "normalen" Wiese.
Die erste Unterweisung startete an einem 5 -jährigen Apfelbaum. Herr Seidl erläuterte die Wichtigkeit eines Erziehungsschnittes in den ersten Jahren nach der Pflanzung. Bevor der Schnitt beginnt, sollte man den Baum "ansprechen". Das bedeutet den Baum rundherum ansehen. Was bleibt, was muss weg, was wird erst nächstes Mal geschnitten. 3-4 Leitäste in einem entsprechenden Winkel und Höhenversatz, mehr sollten es für einen Hochstamm nicht sein. Dass diese Auswahl nicht immer ganz einfach ist, zeigten die unterschiedlichen Meinungen der Teilnehmer.
Spätere "Korrekturen" sind dann oftmals nicht mehr möglich oder verursachen große Wunden am Baum. Eine Schnittwunde bedarf zur Verheilung so viele Jahre wie der Ast zum Wachsen benötigt hat, erklärte der Fachwart. Müssen doch einmal stärkere Äste entnommen werden, ist zuvor ein Entlastungsschnitt (ca.20 cm vor dem eigentlichen Schnitt) anzusetzen um einem Ausreißen der Schnittstelle entgegen zu wirken.
Nach einer kleinen Pause ging es zu einem größeren Hochstamm. Herr Seidl erklärte den Einsatz von Schnittwerkzeugen, Sägen und Leitern. Hier sorgte seine mitgebrachte Südtiroler Einholmleiter (oder auch Tiroler Steigtanne) für interessierte Blicke und Diskussionen. Er wies ausdrücklich auf die Eigensicherung beim Besteigen einer Leiter hin.
Weiter ging es dann zu den Johannisbeeren. Hier sollten von jedem Jahrgang 3 Triebe stehen bleiben. Alles andere wird bodennah abgeschnitten. Wichtig ist, dass der Busch tief genug eingegraben ist. Nur dann bilden sich neue Triebe.
In der einsetzenden Dämmerung wurde sich noch kurz den Pfirsichen zugewandt. Hier sollten jedes Jahr ca. 50% herausgeschnitten werden, da sich die Früchte nur am "einjährigen Holz" bilden.
Nach 4 sehr interessanten Stunden verabschiedete der Vorstand den Referent und die Teilnehmer.
Der OGV bedankt sich bei den Teilnehmern für das Interesse, bei dem Referenten Stephan Seidl für die interessanten, kurzweiligen, humorvollen Ausführungen und insbesondere bei Hermann Huber für die Bereitstellung der Baumwiese!